Feinfühligkeit Teil 2 – Ko-Regulation: Wie Eltern und Babys sich gegenseitig beeinflussen

Bindung ist wichtiger als Perfektion

Wenn die Sorge da ist, eine gute Beziehung und sichere Bindung zu deinem Baby aufzubauen, kann ich dich beruhigen:

Bindung entsteht nicht dadurch, dass Eltern immer alles richtig machen, sondern dadurch, dass sie in schwierigen Momenten wieder in Verbindung mit ihrem Kind treten.

Es ist völlig normal, sich zwischendurch überfordert oder unsicher zu fühlen. Wichtig ist, dass wir lernen, uns selbst zu regulieren, um wieder auf das Kind eingehen zu können. (Eine postpartale Depression kann diesen Prozess erschweren, weshalb es wichtig ist, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu holen, wenn man sich dauerhaft erschöpft oder traurig fühlt.)

Fazit: Du bist gut genug!

Elternsein ist eine Reise voller Herausforderungen und schöner Momente. Anstatt nach Perfektion zu streben, lohnt es sich, auf Verbindung, Selbstfürsorge und Gelassenheit zu setzen. Eine „gute“ Mutter oder ein „guter“ Vater zu sein bedeutet nicht, immer alles vorherzusehen und möglichst so zu gestalten, dass das Kind nicht wütend oder traurig wird, sondern sich mit Liebe, Geduld und Achtsamkeit auf diese Reise einzulassen und sich selbst gut zu spüren, damit dein Kind dich gut spüren kann. Um uns zu regulieren, benötigt es nicht nur Wissen sondern über die Kognition hinaus Strategien. Ich stelle dir in den weiteren Artikeln körperorientierte Wege zur Verbesserung der elterlichen Beziehungs- und Regulationsfähigkeit vor.

Eltern und Babys befinden sich in einem ständigen emotionalen Austausch. Ko-Regulation beschreibt diesen Prozess der gegenseitigen Beeinflussung und Anpassung von Gefühlen. Doch was bedeutet das konkret, und wie können Eltern lernen, ihre eigenen Emotionen so zu regulieren, dass sie ihrem Baby Sicherheit vermitteln?

Was ist Ko-Regulation?

Ko-Regulation ist die Fähigkeit, die eigenen Emotionen mit der Unterstützung eines anderen zu steuern. Babys sind noch nicht in der Lage, ihre Gefühle allein zu regulieren, daher übernehmen die Eltern diese Aufgabe. Durch Nähe, Beruhigung und liebevolle Zuwendung helfen sie ihrem Kind, sich sicher und geborgen zu fühlen.

Warum ist es wichtig, dass Eltern sich selbst regulieren?

Eltern sind das emotionale Vorbild für ihre Kinder. Wenn sie gestresst oder überfordert sind, überträgt sich das auf das Baby. Ein entspanntes Elternteil kann hingegen die innere Anspannung des Kindes reduzieren.  

Was für das Säuglingsalter zutrifft, ist übrigens in allen anderen Entwicklungsphasen ebenfalls zutreffend. Wenn dein Kind später in die Autonomiephasekommt, oder in die Wackelzahnpubertät, aber auch im Jugendalter! Es ereignet sich psychophysiologisch der selbe Prozess, er wird nur anders verhandelbar.

Um deinem Kind in seiner emotionalen Regulation zu helfen ist es wichtig, deine Begleitungsfähigkeit und deine Empathiefähigkeit zu stärken und drohende Abbrüche der emotionalen und körperlichen Abstimmung mit dem Kind frühzeitig zu erkennen und unterbrechen zu können.

Ich werde dir nicht nur erklären wie du das machst, sondern auch konkrete Handlungsstrategien in der Arbeit mit akuten Bindungs- und Autonomiekrisen zeigen.  Denn wenn ich hilflos bin und keine Toleranz für starke Emotionen mehr habe, kann ich nicht mehr gut in der Selbstanbindung- also bei mir sein und bin somit für das Kind nicht mehr spürbar.

Tipps zur Selbstregulation:

  • Achtsamkeit üben: Ein paar tiefe Atemzüge oder eine kurze Pause helfen, Emotionen und den körperlichen Affektausdruck bewusster wahrzunehmen und zu steuern.
  • Selbstfürsorge nicht vernachlässigen: Kleine Rituale wie eine Tasse Tee oder ein Spaziergang können helfen, innere Ruhe zu bewahren.
  • Unterstützung suchen: Austausch mit anderen Eltern oder professionelle Begleitung kann helfen, Stress zu reduzieren und Sicherheit zu gewinnen.

Wie Eltern ihre Babys in der Ko-Regulation unterstützen können

  • Körperliche Nähe: Tragen, sanftes Wiegen oder Hautkontakt hilft dem Baby, sich zu entspannen.
  • Ruhige Stimme und sanfte Berührung: Babys reagieren stark auf die Stimme und Berührung der Eltern. Ein beruhigender Tonfall und sanftes Streicheln vermitteln Sicherheit.
  • Geduld haben: Manche Tage sind herausfordernder als andere. Wichtig ist, sich selbst nicht zu überfordern und dem Baby mit Geduld zu begegnen. 

Die Tipps klingen einfach und einleuchtend. Meist schleichen sich aber kleine Unstimmigkeiten unbemerkt ein. Ein Blick von außen, zb in einer Einheit mit mir, oder in einer Beratungsstelle kann dich in deiner Selbstwahrnehmung und in der Haltefähigkeit und Ko Regulation deines Babies helfen.

Je mehr du in der (angeleiteten) Reflexion deine Körperinformationen bewusst machst, desto mehr verstehst du, wie du dich regulieren kannst und wann du dich selbst und dein Kind nicht mehr gut spüren kannst. Du erkennst dann besser: wann gehts eigentlich los? Zb. Wann halte ich die Luft an? Wann bin ich angespannt oder entspannt? Wann Schaukel ich mein Kind noch beruhigend? Im angespannten Zustand schaukelst du nämlich anders, du kuschelst anders und du atmest zb anders.

Fazit

Ko-Regulation ist ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. Indem Eltern lernen, sich selbst zu regulieren, schaffen sie eine beruhigende Umgebung für ihr Baby. Diese Fähigkeit unterstützt nicht nur die emotionale Entwicklung des Kindes, sondern hilft auch den Eltern, sich in ihrer Rolle sicherer und entspannter zu fühlen.

Im nächsten Beitrag geht es um Emotionale Erste Hilfe: Was tun in akuten Stresssituationen mit dem Baby?

Mag. Tanja Ladstätter

Mag. Tanja Ladstätter

Psychologin für Eltern und Kinder

Unsere innere Stärke, unsere Resilienz, hilft uns, viele Herausforderungen aus eigener Kraft zu meistern. Doch manchmal geraten wir an einen Punkt, an dem es mehr braucht: einen neutralen Blick von außen, die richtigen Fragen – und Raum zum Innehalten.

In einem geschützten Rahmen schauen wir gemeinsam auf das, was belastet: wiederkehrende Gedanken, eingefahrene Muster und das, was hinter ihnen liegt. So entsteht Raum für neue Perspektiven und echte Veränderung.

Mag. Tanja Ladstätter

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